Wie Kommunen von Biokraftstoffen für ihre Nutzfahrzeuge profitieren können

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Ob Busse, Kehr- oder Streufahrzeuge, Baumaschinen oder Entsorgungsfahrzeuge – kommunale Flotten sind täglich im Einsatz. Für ihren klimafreundlichen Betrieb werden alle verfügbaren Optionen gebraucht: Neben Elektromobilität sind Biokraftstoffe der entscheidende Baustein. Zukünftig werden auch E-Fuels eine Rolle spielen.

Im Straßenverkehr kommt die Energiewende kaum voran, noch immer dominiert fossile Energie mit einem Marktanteil von fast 93 Prozent, Erneuerbare lagen im Jahr 2024 bei nur 7,2 Prozent. Die Folge: Der CO2-Ausstoß im Verkehr stagniert seit Jahren auf hohem Niveau. Nutzfahrzeuge haben aufgrund ihrer Antriebs- und Fahrleistung einen wesentlichen Anteil an Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen. 

Engagierte Kommunen können zur Verkehrswende beitragen

Mit Verkehrskonzepten, dem Ausbau von ÖPNV und Radwegen sowie einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur schaffen Kommunen die Rahmenbedingungen für klimafreundliche Mobilität. Städte und Gemeinden, die ihren Fuhrpark auf erneuerbare Antriebsenergien umstellen, senken aktiv Emissionen. Damit steigern sie Wirksamkeit, Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Klimaschutzbemühungen.

Für kommunale Flotten stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Häufig liegt der Schwerpunkt auf batterieelektrischen Fahrzeugen. E-Mobilität allein wird jedoch nicht ausreichen, um fossile Kraftstoffe bis 2045 zu ersetzen. Über die Wahl des Antriebs entscheidet zudem die Leistungsanforderung der Anwendungen. 

Bei schweren, leistungsstarken Nutzfahrzeugen und Baumaschinen stößt E-Mobilität an Grenzen. Hier bleibt der Dieselmotor vorherrschend, in dem Biodiesel eingesetzt werden kann. Auch durch den Einsatz von Biomethan in Form von CNG (Compressed Natural Gas: komprimiertes Biomethan) und LNG (Liquified Natural Gas: verflüssigtes Biomethan) können Fahrzeuge klimaschonend betrieben werden. Flüssige Kraftstoffe sind zudem erforderlich, wenn ein simultanes, schnelles Aufladen mehrerer Batterien oder das Betanken eines Wasserstofftanks aufgrund örtlicher Bedingungen wie beispielsweise auf Baustellen nicht möglich ist. Auch Stromaggregate sind auf Kraftstoffe angewiesen. Um hier die Treibhausgasemissionen zu senken, kommen Biodiesel und perspektivisch E-Fuels infrage.

Prognosen zufolge werden im Jahr 2030 noch 40 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Biokraftstoffe stehen heute flächendeckend zur Verfügung. Der Einsatz in Bestandsflotten und Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor erlaubt es, durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur pragmatisch und schnell emissionsärmer zu fahren. Auch E-Fuels werden künftig eine wichtige Rolle einnehmen, derzeit sind sie allerdings noch nicht marktreif.  

Mit mehr als drei Vierteln der Erneuerbaren Energien im Verkehr leisten Biokraftstoffe den größten Beitrag zum Klimaschutz in dem Sektor. Von 2015 bis 2023 haben sie in Deutschland mehr als 100 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Der Hauptanteil entfällt dabei auf Biodiesel, der heute vorrangig als siebenprozentige Beimischung zu fossilem Diesel (B7) im gesamten Markt eingesetzt wird. B10 mit zehn Prozent Biodieselanteil soll zukünftig zum Standard werden. Höhere Beimischungen können in Nutzfahrzeugen eingesetzt werden, die für B20, B30 oder reinen Biodiesel (B100) freigegeben sind. Je nach Rohstoff reduziert Biodiesel klimaschädliche CO2-Emissionen um 70 bis 90 Prozent. Weitere Biokraftstoffe wie Bioethanol und Biomethan sowie hydrierte Pflanzenöle (HVO) sind am Markt erhältlich und werden in verschiedenen Anwendungbereichen eingesetzt. 

Biokraftstoffe im Kontext des Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetzes

Die EU-Richtlinie „Clean Vehicles Directive“ und das darauf basierende deutsche „Gesetz über die Beschaffung sauberer Straßenfahrzeuge“ verpflichten Kommunen dazu, bei der Beschaffung von Fahrzeugen und der Vergabe öffentlicher Dienstleistungsaufträge, insbesondere den ÖPNV betreffend, verstärkt auf klimafreundliche Modelle zu setzen. Schwere Nutzfahrzeuge und Busse, die mit Biokraftstoffen angetrieben werden, werden in diesem Kontext als „saubere Fahrzeuge“ definiert. Der Einsatz von Biodiesel und Biomethan kann für öffentliche Auftraggeber je nach Fahrzeugmodell und Einsatzzweck besonders geeignet sein, um die Vorgaben zu erfüllen.

Praktische Vorteile im kommunalen Einsatz

Biokraftstoffe reduzieren die Abhängigkeit von Mineralöl- und Kraftstoffimporten und können in Krisen wie beispielsweise zu Beginn des Ukraine-Krieges zur Versorgungssicherheit beitragen, indem sie die Energieherkünfte diversifizieren. Bei einem deutlich steigenden CO2-Preis wird sich fossiler Kraftstoff künftig verteuern. Biokraftstoffe hingegen sind von der CO2-Bepreisung im Rahmen des nationalen Emissionshandels und des für 2027 anstehenden EU-Emissionshandels II ausgenommen. Zudem können die CO2-Einsparungen, die durch den Einsatz höherer Biodieselbeimischungen oder durch die Nutzung von Reinkraftstoffen erzielt werden, im Rahmen der gesetzlichen Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) am Quotenmarkt verkauft werden. Dadurch können die Mehrkosten des Biokraftstoffs reduziert oder sogar ausgeglichen werden.

Die deutsche Biodieselproduktion basiert im Wesentlichen auf Rapsöl sowie auf Altspeisefett und tierischen Fetten. Die Nutzung von Raps, dem bedeutendsten Rohstoff der deutschen Biodieselproduktion, stärkt die Wertschöpfung von Landwirtschaft, Ölmühlen und Biodieselwerken. Neben Biodiesel entstehen wertvolle Koppelprodukte: Proteinfuttermittel sowie Glycerin. Die Verwendung von Altspeisefett zur Herstellung von Biodiesel ist ein gelungenes Beispiel für Kreislaufwirtschaft, Umwelt- und Gesundheitsschutz.

Biomethan zur Nutzung als Kraftstoff im Verkehr wird größtenteils aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Stroh und Gülle erzeugt. Auch Biomethan bietet damit Einkommen für die regionale Landwirtschaft. Anfallende Gärreste gehen als Düngemittel zurück an die landwirtschaftlichen Betriebe und schließen so den Nährstoffkreislauf.

Biokraftstoffe sind als kontinuierlich verfügbarer Energiespeicher ein wichtiger Baustein für klimafreundlichen Verkehr und natürlicher Partner der E-Mobilität. 

Dieser Beitrag wurde von Sophia Engesser geschrieben und erschien zuerst im KOMM:MAG 2025.