Danke, lieber Robert, und viel Erfolg, liebe Anika!
seit nun über sieben Jahren obliegt mir das Privileg, mit eine der ersten Personen zu sein, die diesen Newsletter gegenlesen darf. Immer wieder habe ich mich über die Interviews dieser Reihe gefreut, in denen Frauen der Energiewende darüber berichten, wie sie zu ihrem Thema gekommen sind, welche Erfahrungen sie gemacht haben und welche Beiträge sie für ein Gelingen der Transformation leisten. Nun freue ich mich – zu meinem Abschied von der AEE – stellvertretend für das gesamte Team Anika Schwalbe zu dieser Reihe befragen zu dürfen.
Anika Schwalbe ist seit fast acht Jahren bei der AEE und verantwortet seitdem mit ihrem Team unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die gelernte Journalistin hat mittlerweile auch diverse Projekte der AEE organisiert, ist seit fast zwei Jahren stellvertretende Geschäftsführerin und übernimmt ab September die Geschäftsführung.
Liebe Anika, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur kommenden Aufgabe.
Anika Schwalbe: Vielen Dank. Ich freue mich sehr, dieses wunderbare Team in der nächsten Phase begleiten und leiten zu dürfen. Gleichwohl schaue ich auch mit einem weinenden Auge auf Deinen Fortgang – zumal wir fast zeitgleich zur AEE gekommen sind. Danke für die großartige Arbeit, die Du geleistet hast, um die AEE weiterzuentwickelnZum Abschied von Robert Brandt blickt die künftige AEE-Geschäftsführerin Anika Schwalbe im Interview auf fast acht Jahre „Frauen der Energiewende“, Meilensteine der Öffentlichkeitsarbeit und die Zukunft der Agentur als mutige Wegbereiterin zurück. und Deine offene, freundliche Art.
Dr. Robert Brandt: Wie bist Du zur AEE gekommen?
Seit der 10. Klasse wollte ich Journalistin werden, um mich
in komplexe Themen einzuarbeiten und den Menschen Wissen zu vermitteln sowie
sie an Geschehnissen teilhaben zu lassen. Meine Affinität zu sehr
unterschiedlichen medialen Darstellungsformen und meine Liebe zu den Menschen
und ihren Geschichten kommen meiner Arbeit noch heute zugute. Als ich zur AEE
kam, war dieser Seitenwechsel für mich ein konsequenter Schritt: Ich wollte
meine kommunikative Expertise gezielt dafür einsetzen, etwas für den
Klimaschutz zu bewegen. 2018 war das heißeste Jahr in Deutschland seit Beginn
der Wetteraufzeichnungen. Leider haben wir diesen Rekord 2024 wieder geknackt.
Vor mehr als sieben Jahren haben wir diese Reihe „Frauen der Energiewende“ gestartet. Wie ist die Idee entstanden?
Die Sichtbarkeit von Frauen in der Energiewende war uns beiden von Anfang an ein zentrales Anliegen. Als Du mit dem Impuls aus dem Gespräch mit Bettina Bischof zu mir kamst, haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir daraus mehr als nur eine einmalige Aktion machen können. Ich habe die Idee dann direkt in die Tat umgesetzt und als feste Reihe im Newsletter verankert. Dass wir dieses Format über fast acht Jahre hinweg ohne Unterbrechung durchgezogen haben, macht mich sehr stolz – es ist zu einer echten Marke der AEE geworden.
Stimmt, und wie ging es weiter?
Der Plan war, nicht nur einmal ein oder zwei Frauen ins Rampenlicht zu stellen, sondern kontinuierlich. Da lag unser Newsletter auf der Hand. Ich kann mich an keinen einzigen Monat erinnern, an dem wir ihn nicht versandt haben – zumindest in den vergangenen fast acht Jahren, die wir beide bei der AEE sind.
Du etwa?
Nein, es war mir immer sehr wichtig, dass wir den Newsletter versenden (lacht).
Wie kommt Ihr auf die Gäste?
Es sind Frauen, die sich im Bereich Erneuerbare, Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagieren. Wir zeigen ihr Engagement, ihre Fähigkeiten, ihre Visionen. Manchmal lernen wir sie bei Veranstaltungen kennen, sie fallen uns in den sozialen Medien auf, sie begegnen uns in unseren Projekten. Auch bei unseren Sponsoren oder in der kommunalen Arbeit finden sich spannende Frauen. Aber nicht nur Frauen in öffentlichkeitswirksamen Positionen, sondern auch in der Umsetzung der Transformation. Mit meiner Kollegin Christin Weber tausche ich mich viel aus, sie trägt einen sehr großen Anteil an unserer Reihe. Aber auch Du und Bettina empfehlen uns inspirierende Frauen.
Was hast Du in den Jahren aus den Interviews mitgenommen?
Jeden Monat ein Interview zu führen, ist eine Herausforderung (lacht). Das ist nicht die einzige Erkenntnis. Ich finde es einfach immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Wege sind, die diese Frauen zu ihrer Arbeit gebracht haben. Und es gibt Interviews, die besonders in Erinnerung bleiben. Haidey Barclay zum Beispiel war damals als Auszubildende zur Servicetechnikerin für Windenergieanlagen bei Ørsted, als ich einen kurzen Social-Media-Post zu ihr gesehen habe. Als ich erfuhr, dass sie vorher als Chef-Hairstylistin arbeitete, wusste ich: Ich muss mit ihr sprechen. Zwei Wochen später saß ich vor meinem Bildschirm im Home-Office und sie im Innenraum einer Offshore-Windenergieanlage. Wenn der Fahrstuhl fuhr, mussten wir unser Gespräch unterbrechen. Beeindruckend waren auch Simisola Sobowale, Co-Gründerin von Instant Energy (Nigeria), und Ursula Sladek, Mitbegründerin des Ökostromanbieters Elektrizitätswerke Schönau (EWS), die mir von ihrer Begegnung mit Barack Obama im Oval Office erzählte. Iryna Semenenko, Hauptreferentin der Abteilung für Projektarbeit und strategische Entwicklung im ukrainischen Novovolynsk, ist mittlerweile mehr als nur ein beruflicher Kontakt. Alle Frauen, die ich interviewt oder deren Interviews ich gelesen habe, haben mich auf ihre Weise inspiriert. Wenn es auch nur einer Leser*in ebenso bei der ein oder anderen Frau ging, macht mich das stolz.
Wie kann die Energiewende durch mehr Engagement von Frauen profitieren?
Ich würde die Frage gern umdrehen: Was verliert die Energiewende ohne das Engagement von Frauen? Um an der überlebenswichtigen Energiewende festzuhalten – auch in Krisenzeiten – benötigen wir jede helfende, engagierte Hand. Und: Je vielfältiger die Sichtweise auf die Herausforderungen der jetzigen und der kommenden Zeiten, umso besser.
Ihr plant auch, ein Buch mit den Interviews zu veröffentlichen. Was ist Eure Intention?
Ja, darauf freue ich mich wirklich sehr. Die Interviews der vergangenen Jahre bilden die Basis des Buches. Die Idee ist, noch mehr Menschen mit den Geschichten der Frauen zu erreichen und dadurch auch zu aktivieren. Ich habe das Gefühl, dass sich viele Menschen – verständlicherweise – aufgrund der vielen Polykrisen immer stärker in ihr Zuhause und ihren privaten Bereich zurückziehen. Gleichwohl vertrete ich die Auffassung, dass schwierige Zeiten zu einem Wachrütteln animieren müssten. Die Ohnmacht ist keine, wenn wir, das bedeutet jede*r Einzelne, anfangen, unsere ersten aktiven Schritte zu gehen. Wir brauchen die Bürger*innen und vielleicht können die Geschichten der Frauen auch hier eine Wirkung entfalten.
Darüber hinaus freuen wir uns mit Blick auf die so unterschiedlichen Biografien der Frauen, jungen Menschen, die sich neu orientieren, Wege aufzuzeigen, Teil der Energiewende zu werden.
Und wie ist der Status Quo? Wann wird das Buch voraussichtlich erscheinen und wie kann man es bestellen?
Wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung. Um Beteiligung und Aktivierung von Anfang an vorzuleben, finanzieren wir den Druck über eine Crowdfunding-Kampagne im Herbst. Wenn es losgeht, werden wir natürlich alle – und auch Dich – darüber informieren. Ich würde mich freuen, wenn Du dich als einer der Ersten am Crowdfunding beteiligst und es in Deinen Kreisen teilst (lacht).
Ab September wirst Du die Verantwortung für die AEE übernehmen. Kannst Du schon skizzieren, wo Du die Agentur hinführen möchtest?
Ich möchte die AEE noch deutlicher als mutige Wegbereiterin etablieren – gerade dort, wo die Transformation konkret gestaltet wird: auf kommunaler und europäischer Ebene. Wir stehen vor tiefgreifenden Umbrüchen – sei es durch die Dynamik neuer Technologien wie KI oder durch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mein Anspruch ist es, die Agentur so aufzustellen, dass wir diesen Wandel aktiv mitgestalten, unsere eigene Arbeit kontinuierlich modernisieren und Kommunen befähigen, voranzugehen.
Inhaltlich schärfen wir unser Profil bei einem Thema, das drängender ist denn je: der Resilienz unserer Energieinfrastruktur. Ein persönlicher Schlüsselmoment war für mich ein vom Auswärtigen Amt gefördertes Projekt: Meine Reise nach Goražde in Bosnien-Herzegowina und die Gespräche mit Iryna Semenenko aus der Ukraine haben mir tief eingeprägt, dass Erneuerbare Energien in Krisenzeiten weit mehr sind als Klimaschutz. Sie sind Sicherheitsarchitektur. Konventionelle Großkraftwerke sind in Konflikten leichte, hochgradig verwundbare Zielscheiben. Dezentrale Erneuerbare und Speicher hingegen schaffen robuste Inselnetze, die Kommunen selbst in schwersten Krisen handlungsfähig halten.
Auf den Fundamenten von 20 Jahren AEE-Erfahrung führen wir diese Arbeit konsequent weiter: Als zentrale Plattform bündeln wir Wissen, knüpfen Netzwerke und treiben Prozesse voran. Wir machen Sicherheit und Dezentralität zum neuen Standard kommunaler Energiepolitik.
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Dr. Robert Brandt: Abschließend möchte ich mich bei Dir, liebe Anika, dem Team, dem Vorstand, dem Beirat und den Sponsoren der AEE herzlich für die Zusammenarbeit in den letzten sieben Jahren bedanken. Mein Engagement bei der AEE hat mir die Möglichkeit gegeben, die „Berliner Bubble“ zu verlassen und mit vielen treibenden Kräften der Energiewende in Kontakt zu kommen, ihre Perspektiven kennenzulernen und in Grafiken, Animationen oder Hintergrundpapieren zu vermitteln, ihre Projekte vorzustellen und viele spannende Impulse zu setzen. Ich konnte den Austausch auf verschiedenen Marktplätzen dieser Republik suchen, Kritik aufnehmen und mit spannenden Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten. Das hat viel Mut gemacht.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Ihnen / mit Euch in meiner neuen Rolle bei der dena und wünsche bis dahin noch einen schönen Sommer.
Ihr / Euer Robert Brandt

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